Bärenpark [Lookout Spiele] – Rezension

Bärenpark


Verlag: Lookout Spiele
Autor: Phil Walker-Harding

 

Puzzeln ist „in“ so scheint es. Neben Patchwork, Ein Fest für Odin und Cottage Garden (alle von Uwe Rosenberg) rückt nun Bärenpark ins Rampenlicht der Puzzlespiele. Mit diesem wird nicht nur ein locker leichtes Spiel, sondern zugleich ein taktischer Wettstreit um begehrte Parkteile präsentiert.

Bei Bärenpark baut jeder Spieler seinen eigenen Park aus. Dafür stehen verschiedene Puzzleteile wie Außengehege, Tierhäuser oder Grünanlagen zur Verfügung. Diese wollen geschickt verbaut werden, denn nicht für alle gibt es Punkte. Und je schneller ein Bauabschnitt fertig gestellt oder der gesamte Park vollständig ausgebaut ist, desto mehr Punkte winken.

Genau in diesem Wettstreit liegt der Reiz des Spiels. Die Spieler sehen sich mit zwei unterschiedlichen Zielsetzungen zugleich konfrontiert: Auf der einen Seite wollen sie möglichst schnell ihre Parkabschnitte voll bekommen, denn dann erhält dieser eine Bärenstatue mit einer hohen Punktzahl. Auf der anderen Seite will man sich die lukrativen Puzzleteile sichern, die ebenfalls höhere oder überhaupt Punkte einbringen und sich dazu noch ideal verbauen lassen. Da gerät ein Spieler schon mal in einen Zwiespalt mit sich selbst und muss entscheiden welcher Taktik der Vortritt gelassen wird.

Erhöht wird das ganze durch die Variante mit Auftragsplättchen. Plötzlich erscheinen vorher vielleicht nicht so begehrte Plättchen in einem anderen Licht, da sie nun gute Punkte einbringen können, wie beispielsweise die Grünanlagen. Vorher Puzzleteile, die man eben mitnehmen musste und möglichst wenig eingebaut hat, belohnen die Spieler jetzt. Mit dieser dritten Zielkomponente wird das Spiel deutlich taktischer und planungsintensiver.

Daher sollte die Wahl der Mitspieler gut überlegt sein. Lange Überlegungsphasen können sonst zu einem Gefühl wie beim Schach führen und die eigentlich kurze Spieldauer zunichtemachen. Schließlich ist Bärenpark ein gar nicht so ermüdendes Spiel. Puzzleteil legen, neue(s) Puzzleteil nehmen, eventuell neuen Parkabschnitt noch dazu und schon ist der nächste Spieler an der Reihe. Jeder puzzelt ehrgeizig seinen Park, doch bitte nicht mit zu viel Ehrgeiz.

Natürlich ist die Interaktion der Spieler dadurch sehr stark eingeschränkt. Sie äußert sich zum einen darin, dass man entweder höherwertige Teile bei den Tierhäusern oder ein begehrtes bei den Außenanlagen wegschnappt. Dort ist es besonders ärgerlich, da im Gegensatz zu den Tierhäusern, diese in ihren Formen einzigartig sind. Zum anderen treffen die Interessen der Spieler lediglich noch beim Ergattern von Aufträgen oder Statuen aufeinander. Denn wer hier zuerst kommt, erhält mehr Punkte. Zwar kann man sich hier als Einzelspieler austoben, befindet sich aber dennoch zugleich mit den anderen im Wettstreit.

Dadurch begeistert Bärenpark sowohl Familien- als auch Kennerspieler. Dazu trägt aber auch die Illustration bei. Schachtelcover, Spielplan und Puzzleteile sind sehr liebevoll gestaltet. Besonders der Spielplan mit seinen kleinen zusätzlichen „Kritzeleien“ unterstreicht die Atmosphäre eines Entwurfs. Und genau das machen die Spieler, sie entwerfen ihren eigenen Bärenpark. Leider gerät die Grafik auf den Puzzleteilen etwas ins Hintertreffen. Hier hätten die süßen Bären größer und deutlicher zu sehen sein können. Dafür sind die Symbole auf den Parkabschnitten, zum Erhalt der verschiedenen Puzzleteile, wieder sehr toll illustriert.

Insgesamt ist das Spielmaterial sehr schön. Es besteht aus dickerer Pappe, wodurch die einzelnen Puzzlestücke sehr gut aneinander passen. Die Spieler sollten nur vermeiden, aus Versehen gegen den Park zu stoßen, da die Teile schnell verrutschen. Ebenfalls sehr gut zum Einbauen der Teile ist, dass diese beidseitig bedruckt sind. Auf die Parkabschnitte trifft das zwar ebenso zu, jedoch wäre es hier schöner gewesen, wenn diese unterschiedlich ausgefallen wären. Das hätte noch etwas mehr Varianz ins Spiel gebracht. So ist natürlich der Glücksfaktor sehr überschaubar. Einen Kritikpunkt bringt noch das Inlay der Schachtel mit sich. Dieses ist nett gemeint, erhöht aber nur den Frustfaktor beim Spielabbau. Vielleicht war es aber auch so gewollt, dass dieser zu einem eigenen Puzzlespiel wird: Wie bekomme ich die Teile alle sinnvoll in die Schachtel zurück?

Denn das verrät einem leider auch nicht die sehr gute Spielanleitung. Diese ermöglicht einen leichten Einstieg ins Thema und Spiel. Sie kommt mit vielen Illustrationen und Beispielen daher, wodurch schon die Leichtigkeit des Spiels deutlich wird. Auch sie weißt wieder diesen Entwurf Charakter auf, wodurch ein roter Faden zu erkennen ist.

 

Bärenpark lädt zu einer friedlichen Puzzlepartie ein, dass durch einfache Regeln gute Unterhaltung bietet und Spielergattungen zu verbinden weiß. Wer lieber bis ins kleinste Detail plant, grübeln und harte Entscheidungen treffen will, der findet sich besser in anderen Spielen wieder.

 

Vielen Dank an Lookout Spiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

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