Saft herstellen verändert die Ortsreihe
Wer die geforderten Früchte für einen Saft abgibt, kommt dem Sieg näher. In Fabelsaft von Friedemann Friese geht es darum, die vorgegebene Menge an Säften vor den anderen Beteiligten herzustellen. Früchte sind dabei kein Selbstzweck: Sie werden über die Orte beschafft, getauscht oder auf andere Weise umgewandelt und anschließend für die Saftproduktion eingesetzt.
Die Besonderheit liegt in den Ortskarten. Sie bilden keine unveränderliche Auslage, sondern entwickeln sich im Verlauf der Partie weiter. Neue Orte treten auf, frühere Orte verlassen die aktuelle Reihe. Welche Karten bleiben und welche verschwinden, ergibt sich aus den Entscheidungen am Tisch. Dadurch kann dieselbe Grundregel in späteren Partien zu anderen Kombinationen von Möglichkeiten führen.
Die Ortsreihe bleibt nie gleich.
Fabelsaft ist für 2 bis 5 Personen ausgelegt, dauert etwa 20 bis 30 Minuten und ist ab 8 Jahren angegeben. Der Fabelmechanismus ist kein Vorwand, um Sonderregeln zu übergehen: Der aktuelle Kartentext hat stets Vorrang vor Erinnerungen an einen Ort, der in einer früheren Partie oder zu einem früheren Zeitpunkt der laufenden Partie anders funktioniert hat.
Die Startorte und Vorräte vorbereiten
Zu Beginn werden die dafür vorgesehenen Startorte als Ortsreihe ausgelegt. Die weiteren Ortskarten werden gemäß der Vorgabe der Spielregel bereitgelegt, denn sie werden später nach und nach Teil der Auslage. Jede Person nimmt das zugehörige Tier sowie die vorgesehenen Startmittel. Die Früchte liegen als allgemeiner Vorrat bereit, damit Erträge, Kosten und Tauschaktionen sofort abgewickelt werden können.
Wichtig ist die klare Trennung zwischen dem allgemeinen Vorrat, persönlichen Früchten und bereits hergestellten Säften. Bereits abgegebene Früchte dürfen nicht weiter als Besitz verwendet werden. Säfte sind dagegen der sichtbare Fortschritt zum Spielziel und bleiben bei der jeweiligen Person liegen.
Die Ortskarten werden so ausgelegt, dass ihr vollständiger Text lesbar bleibt. Manche Effekte beziehen sich auf die Lage eines Ortes, auf Tiere an bestimmten Orten oder auf Karten, die nachrücken. Eine unübersichtliche Reihe erzeugt leicht Fehler, besonders sobald sich mehrere Orte kurz hintereinander verändern. Für grundsätzliche Mechanismen ähnlicher Spiele bietet die Rubrik Regelerklärungen weitere Orientierung, bei Fabelsaft entscheidet jedoch immer der konkrete Text der aktuellen Ortskarte.
Ein Zug richtet sich nach dem besuchten Ort
Am Zug wird ein zugänglicher Ort ausgewählt und das eigene Tier entsprechend bewegt oder eingesetzt. Dabei gelten mögliche Einschränkungen der Ortskarte und der Auslage. Anschließend wird die Ortsaktion vollständig abgehandelt. Sie kann Früchte einbringen, Früchte fordern, einen Tausch erlauben, die Saftproduktion ermöglichen oder die Stellung von Orten beeinflussen.
Die Reihenfolge auf der Karte ist verbindlich. Fordert ein Effekt zunächst eine Abgabe, kann der spätere Ertrag nicht vorgezogen werden, um diese Kosten zu bezahlen. Erlaubt ein Effekt dagegen ausdrücklich eine Wahl oder mehrere Schritte in bestimmter Folge, muss diese Vorgabe exakt beachtet werden. Nicht erfüllbare Kosten verhindern den betreffenden Teil einer Aktion, sofern der Kartentext keine andere Behandlung nennt.
Nach der Ortsaktion werden alle dadurch ausgelösten Veränderungen der Ortsreihe sofort ausgeführt. Gerade hier arbeitet der Fabelmechanismus: Karten können aus der aktuellen Auslage ausscheiden, andere Karten kommen hinzu oder die Anordnung verändert sich. Erst wenn diese Änderungen erledigt sind, ist der Zug abgeschlossen. Es ist keine gute Praxis, den Austausch von Ortskarten aufzuschieben, weil spätere Züge sonst auf einer Auslage beruhen würden, die nicht mehr gültig ist.
Die kurze Abschweifung zur Materialpflege ist sinnvoll: Karten, die momentan nicht mehr zur Ortsreihe gehören, sollten getrennt von den aktiven Orten liegen. Das verhindert, dass ein ausgeschiedener Ort versehentlich nochmals gewählt wird. Der variable Kartenbestand verlangt mehr Aufmerksamkeit als ein fester Spielplan, bleibt aber durch diese einfache Ablage gut nachvollziehbar.
Saft, Sieg und häufige Regelfehler
Eine Saftproduktion erfolgt nur, wenn die dafür geforderten Früchte vorhanden sind und abgegeben werden. Der hergestellte Saft wird als Fortschritt gesichert. Eine zusätzliche Schlusswertung für übrige Früchte ist nicht vorgesehen: Früchte, die am Ende noch im Besitz sind, zählen nicht als Ersatz für fehlende Säfte. Die Partie endet unmittelbar, sobald eine Person die vorgegebene Menge an Säften hergestellt hat. Diese Person gewinnt.
Typische Regelfehler entstehen meist nicht bei den Früchten, sondern beim Umgang mit den Orten:
- Ein Ort wird nach seiner alten Funktion behandelt, obwohl er durch den Fabelmechanismus ersetzt oder verändert wurde.
- Die Kosten einer Ortsaktion werden erst nach dem Erhalt eines Ertrags geprüft, obwohl der Kartentext eine andere Reihenfolge vorgibt.
- Eine Karte, die nicht mehr zur aktiven Ortsreihe gehört, wird weiterhin als Ziel oder Quelle eines Effekts genutzt.
- Das Herstellen eines Safts wird mit dem bloßen Einsammeln der benötigten Früchte verwechselt.
- Veränderungen der Auslage werden bis zum Ende einer Runde aufgeschoben, statt sie direkt nach dem auslösenden Effekt abzuhandeln.
Vor allem bei einer neuen Ortskarte lohnt es sich, den vollständigen Text lautlos noch einmal zu prüfen, bevor das Tier bewegt wird. Die Karte kann eine bekannte Routine aufbrechen und eine andere Reihenfolge von Beschaffen, Bezahlen und Umwandeln verlangen. Rezensionen zu vergleichbaren Spielen finden sich in der Rubrik Spielerezensionen.
Fabelsaft eignet sich für Gruppen, die ein zugängliches Fruchtsammelspiel mit wechselnden Ortsfunktionen suchen. Weniger passend ist es für Personen, die über viele Partien hinweg eine vollständig gleichbleibende Auslage bevorzugen. Empfehlenswert ist das Spiel besonders für Familien und Gelegenheitsspielgruppen, die die Karten nach jeder Veränderung aufmerksam lesen.