„Bumúntú“ von Tim Blank

Erstkontakt

Ich glaube, ich hatte bereits mal erwähnt, dass mich vor allem Spiele reizen, die tolles Spielematerial zum Anfassen bieten. Unter diesem Aspekt fiel „Bumúntú“ auf der SPIEL 2019 sofort ins Auge. Die weißen, mit schönen Tiersymbolen bedruckten Acrylsteine möchten einfach angefasst werden.

Worum geht es?

Die Gunst der afrikanischen Tierwelt erlangen – das ist Ziel von 2 bis 5 Spielern in „Bumúntú“. Dazu führt man die festgelegte Bewegung des Tieres aus, auf dessen Stein man steht. Dieser darf dann eingesammelt werden und bringt dann am Ende des Spiels Punkte entsprechend der Gunst, die jeder Tierart variabel während des Spiels zugewiesen werden kann. 

Die äußeren Werte – Material

Wie bereits angedeutet, ist das Hauptmerkmal des Spiels die 80 Spielsteine der zehn Tierarten. Ein 8×8 Felder umfassendes Spielbrett, eine große Wertungstafel sowie fünf Sichtschirme gehören ebenfalls zum Spiel. Für jeden Spieler gibt es eine Holzspielfigur und den dazu passenden Wertungsstein. Pro Tierart liegt ein Tierplättchen bei, das auf der Wertungstafel die Gunstrangfolge angibt. Die 32 Papp-Futterplättchen ermöglichen dem Spieler eine freiere Bewegung auf dem Spielplan.

Die Spielanleitung ist klar und in großer Schrift verfasst. Ein paar kleinere Orthografiefehler und ein kleiner Schnitzer bei der Darstellung des Spielaufbaus sind verschmerzbar.  

Etwas misslungen finde ich das Plastikinlay, das das Zurückräumen der Tiersteine eher erschwert als erleichtert.

Die inneren Werte – das Spiel 

Zu Beginn des Spiels wählen die Spieler aus den zehn Tierarten acht aus, deren Steine sie zufällig auf dem Spielbrett verteilen. Ebenso zufällig werden die Tierplättchen teilnehmender Tierarten auf die Gunstleiste der Wertungstafel gelegt. Diese gibt an, welche Punkte der Spieler für Tiersteine der jeweiligen Tierart bekommt. Je weiter oben, desto mehr Punkte bringt die Tierart ein. Spielfiguren, Wertungsschreiben und Sichtschirme, sowie die 32 Futterplättchen werden bereitgelegt. 

Zu Beginn des Spiels suchen sich die Teilnehmer einen Startstein am Rand des Spielbretts, von dem aus sie die Tierbewegung ausführen können. 

Später im Spiel kann der Spieler zu Beginn seines Zuges außerdem entscheiden, ob er eine bestimmte Anzahl Futterplättchen bezahlt, um vor der Tierbewegung seine Spielfigur um die entsprechende Anzahl Felder in eine beliebige Richtung zu ziehen.

Danach wird die Bewegung des Tiersteins ausgeführt. Diese ist als Merkhilfe auf der Innenseite des Sichtschirms abgedruckt. Einige seien hier exemplarisch aufgeführt:

Die Giraffe ermöglicht eine Bewegung über 1 -3 Felder in beliebiger Richtung. Diagonal darf mit dem Schimpansen soweit wie möglich gezogen werden. Die entsprechende vertikale oder horizontale Bewegung darf durch das Zebra ausgeführt werden. Andere Tiere wie Löwe, Krokodil, Schwarze Mamba und Nashorn beeinflussen auch die Bewegung der gegnerischen Figur. So darf vom Löwen aus genau 3 Felder in eine Richtung gezogen werden. Eine Mitspielerfigur muss diese Bewegung über ein Feld mitmachen.

Ist die jeweilige Bewegung ausgeführt, wird der Stein, von dem aus die Bewegung initiiert wurde, hinter den Sichtschirm des Spielers gelegt.

Möchte oder kann der Spieler die vorgeschriebene Tierbewegung nicht ausführen, darf er seine Figur stattdessen ein Feld in eine beliebige Richtung weiterziehen. Einen Tierstein erhält er nicht.

Zusätzlich zu den Tiersymbolen ist auf einigen Steinen eines der vier folgenden Symbole abgedruckt, das dann zum Tragen kommt, wenn ein Spieler den Tierstein nehmen darf:

– Banane: ein Futterplättchen darf genommen werden

– Nkisi-Symbol: entsprechend der Anzahl gesammelter Tiersteine mit diesem Symbol gibt es Gunstpunkte

– Yowa-Symbol: der Spieler mit den meisten dieser Symbole erhält 6 Punkte, der darauffolgende 3

– brauner Hintergrund: angrenzende Tierplättchen auf der Wertungstafel dürfen miteinander vertauscht werden.

Wird der letzte der Steine mit braunem Hintergrund vom Spielfeld genommen, endet das Spiel sofort. 

Die inneren Werte – Spielgefühl

Bereits beim Zusehen und Überfliegen der kurzen Regel war ich äußerst angetan vom Spiel. Ein einfacher Ablauf macht „Bumúntú“ zu einem entspannten Spiel, das ohne große Gehirnverzwirbelung auskommt. Es eignet sich daher auch gut als Spielchen für zwischendurch.

Ein paar Kritikpunkte tauchten dann dennoch bei näherem Hinsehen auf. Für Familienspieler ist es mitunter beim ersten Spielen mühsam, sich die jeweiligen Tierbewegungen zu erarbeiten und diese zu behalten. Während die Kurzdarstellung des Spielablaufs und der Wertung auf der Sichtschirminnenseite gelungen ist, empfand ich die bildhafte Umsetzung auf der Innenseite des Sichtschirms als nicht selbsterklärend. In den ersten Runden und Spielen, gerade dann, wenn letztere in größeren zeitlichen Abständen erfolgen, muss die ausführliche Beschreibung der Bewegungen oftmals nachgeschaut werden. Bei Kindern fällt dies noch häufiger auf. Das kann das ganze Spiel ab und an doch etwas stocken lassen.

Die variable Wertigkeit der einzelnen Tierarten ist eine interessante Idee, ich empfand sie allerdings gerade im Zwei-Spieler-Spiel als wenig brauchbar. Da nur direkt benachbarte Tierplättchen in der Reihenfolge getauscht werden können, ist der Zugewinn oft zu vernachlässigen. Außerdem war es bei uns oft nur ein Hin und Her derselben Plättchen, brachte also unterm Strich nicht wirklich etwas. 

Auch erschienen uns die Nkisi- Symbole zu mächtig. Selbst der Spieler, der eine gute Punktewertung der erst- und zweitplatzierten Tierart einfahren konnte, verlor gegen den Spieler, der bevorzugt verschiedene Tierarten, dafür aber mit Nkisi-Symbol sammelte. Diese Strategie muss der Gegner erkennen und gegensteuern. 

Die Möglichkeit den Gegner durch die Nutzung bestimmter Tiersymbole zu ärgern, macht das Spiel etwas interessanter, wirklichen Einfluss auf das Spielgeschehen hat das aber kaum. 

Fazit

Das war gut:

  1. schönes Material
  2. einfacher Spielablauf
  3. kurze Spielzeit

Das hat nicht gefallen:

  1. Kurzbeschreibung auf Sichtschirm nicht intuitiv
  2. zu geringe Beeinflussbarkeit der variablen Wertungsrangfolge

Fazit: „Bumúntú“ kommt als schönes Familienspiel daher, das durch sein tolles Material einen hohen Aufforderungscharakter besitzt. Die Regeln selbst sind schnell verstanden, die Tierbewegungen jedoch nicht ganz so eingängig. Insgesamt ist es ein eher einfaches Spiel für zwischendurch, das auch Angriffe auf die Mitspieler erlaubt, ohne jedoch den Familienfrieden zu sehr zu gefährden.  

Spieltyp Konfrontationstyp Zeit
Stratege Nachdenker Genießer Fiesling Stänkerer Pazifist viel mittel wenig

Mindestens benötigte Erfahrung:

Einsteiger Wenigspieler Vielspieler Profis

Vielen Dank an Pegasus Spiele  für das Rezensionsexemplar!