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Noch mal so gut! Rezension mit klarem Urteil

von Maximilian Bähr 6 Min. Lesezeit
Partie Noch mal so gut! mit typischem Spielmaterial auf dem Tisch (mit AI erstelltes Bild)AI
Mit AI erstelltes Bild

Die gewählte Vorgabe passt gerade noch in eine freie Ecke, würde dort aber eine unangenehme Lücke hinterlassen. Eine andere Möglichkeit bringt weniger unmittelbaren Ertrag, hält jedoch den großen Bereich auf dem Blatt zusammen. Noch mal so gut! gewinnt seine Spannung aus genau solchen Abwägungen. Der Nachfolger von Noch mal! baut auf einem leicht verständlichen Prinzip auf, verlangt aber regelmäßig Entscheidungen, deren Folgen erst einige Züge später sichtbar werden.

Schmidt Spiele veröffentlichte das Spiel im Jahr 2019. Es ist ab 8 Jahren angegeben und richtet sich mit seinem klaren Ablauf an Runden, die ohne lange Regelerklärung ins Knobeln kommen möchten. Als Roll-and-Write-Spiel verbindet Noch mal so gut! Würfelglück mit dem Eintragen auf einem persönlichen Spielblatt. Die Würfel geben Möglichkeiten vor, doch die eigentliche Leistung besteht darin, daraus eine brauchbare räumliche Planung zu formen.

Jede Eintragung verändert den Plan

Zu Beginn wirkt die Aufgabe erfreulich schlicht: Eine Würfelvorgabe wird ausgewählt und auf dem eigenen Blatt umgesetzt. Dabei geht es um farbige Bereiche und darum, Felder in passenden Formen sinnvoll zu markieren. Die Regeln drängen nicht zu komplizierten Ausnahmen, sondern lenken den Blick auf die zentrale Frage: Welcher Bereich soll jetzt weitergeführt werden, damit spätere Eintragungen nicht unnötig schwierig werden?

Diese Frage begleitet die komplette Partie. Ein freier Platz kann heute ideal erscheinen und im nächsten Moment zum Hindernis werden, weil die künftige Vorgabe dort nicht mehr unterzubringen ist. Große zusammenhängende Flächen versprechen Sicherheit, doch sie müssen erst einmal so angelegt werden, dass sie offen bleiben. Kleine Restfelder sind besonders heikel. Sie können am Ende wertvoll sein, wenn genau die passende Möglichkeit auftaucht, oder dauerhaft ungenutzt bleiben und eine zuvor überzeugende Planung entwerten.

Das Spiel erzeugt daraus einen angenehmen Zugzwang. Eine Entscheidung ist erforderlich, aber selten völlig eindeutig. Wer auf maximale Ausbeute im aktuellen Zug setzt, riskiert eine unflexible Fläche. Wer zu vorsichtig bleibt, vergibt vielleicht die Gelegenheit, einen Bereich entschlossen voranzutreiben. Diese Spannung entsteht ohne aufwendige Sonderregeln und ohne lange Wartezeiten. Das ist eine große Stärke.

Der Ablauf bleibt übersichtlich. Würfel werden bereitgestellt, Vorgaben werden gewählt, Felder werden markiert, und nach jeder Eintragung verändert sich die Ausgangslage. Alle Beteiligten arbeiten mit derselben grundsätzlichen Situation, entwickeln daraus jedoch unterschiedliche Muster. Dadurch kann eine Partie erstaunlich abwechslungsreich verlaufen, obwohl die Handlungen auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

Würfelglück als Auftrag zur Improvisation

Noch mal so gut! ist kein reines Planungsspiel. Die Würfel begrenzen, welche Eintragung gerade möglich ist, und können sorgfältig vorbereitete Vorhaben ausbremsen. Das gehört zum Kern des Spiels. Gute Entscheidungen bestehen deshalb nicht darin, einen perfekten Ablauf vorauszusagen, sondern darin, das eigene Blatt so anzulegen, dass mehrere Entwicklungen noch sinnvoll nutzbar bleiben.

Diese Mischung aus Zufall und Kontrolle funktioniert überzeugend, weil die Würfel nicht bloß Ergebnisse verteilen. Sie stellen eine Aufgabe, auf die reagiert werden muss. Ein ungünstiger Wurf ist ärgerlich, aber er zwingt oft zu einer interessanten Alternative. Vielleicht wird ein anderer Bereich begonnen, vielleicht wird eine kleine Lücke geschlossen, vielleicht wird ein ursprünglich geplanter Weg bewusst aufgegeben. Gerade solche Kurswechsel verhindern, dass die Partie in Routine erstarrt.

Gleichzeitig bleibt der Glücksanteil eine klare Schwäche für bestimmte Spielertypen. Wer bei einem Knobelspiel vollständige Planbarkeit erwartet, wird sich an Vorgaben stören, die gerade nicht zur eigenen Fläche passen. Auch die beste Vorbereitung schützt nicht davor, dass eine gewünschte Gelegenheit ausbleibt. Noch mal so gut! verlangt deshalb Gelassenheit gegenüber Rückschlägen. Es belohnt Anpassungsfähigkeit stärker als das starre Festhalten an einem frühen Plan.

Ein reizvoller Nebenaspekt liegt im ausgefüllten Spielblatt. Es wird im Verlauf der Partie zu einer kleinen Landkarte der eigenen Entscheidungen. Unpraktische Ecken, mutige Erweiterungen und sauber geschlossene Bereiche bleiben sichtbar. Nach der Wertung lässt sich häufig nachvollziehen, an welcher Stelle eine Partie gekippt ist. Das verleiht dem Spiel eine angenehm greifbare Qualität, die reine Punkteleisten oft nicht erreichen.

Gemeinsam würfeln, nebeneinander grübeln

Die Interaktion ist vor allem indirekt. Die Beteiligten sehen, dass alle mit vergleichbaren Vorgaben umgehen müssen, verfolgen aber überwiegend ihre eigene Fläche. Direkte Angriffe, Verhandlungen oder Blockaden stehen nicht im Zentrum. Dadurch bleibt Noch mal so gut! konzentriert und ruhig, selbst wenn mehrere Personen mitspielen. Jede Person hat fortlaufend etwas zu tun.

Das passt besonders gut zu Familienrunden und gemischten Gruppen. Erfahrene Spielende können versuchen, aus jeder Vorgabe langfristige Vorteile zu gewinnen, während Gelegenheitsspielende schnell verstehen, worauf es ankommt. Die Hürde liegt nicht im Regelwerk, sondern in der räumlichen Bewertung der Optionen. Das macht den Einstieg leicht, ohne die Entscheidungen belanglos zu machen.

Weniger passend ist das Spiel für Runden, die einen deutlichen Konflikt am Tisch erwarten. Wer Mitspielende aktiv ausbremsen, ihnen Ressourcen wegnehmen oder auf taktische Gespräche reagieren möchte, findet hier wenig Ansatzpunkte. Der Wettbewerb entsteht über die bessere Nutzung der gleichen Möglichkeiten. Das kann sehr spannend sein, wirkt aber zurückhaltender als bei Spielen, deren Züge unmittelbar in die Pläne anderer eingreifen.

Als kompakte Knobelpartie funktioniert dieser Ansatz sehr gut. Nach einem kurzen Einstieg steht die Entscheidung im Mittelpunkt, nicht die Verwaltung von Regeln. Der Vergleich mit dem Vorgänger liegt nahe, denn die gemeinsame Grundlage ist klar erkennbar. Noch mal! bleibt dabei der direkte Bezugspunkt, während Noch mal so gut! sein eigenes Gewicht aus der erneuten Konzentration auf Würfelvorgaben und Flächenplanung zieht.

Stark für zugängliche Knobelrunden

Die Stärken liegen in der Verbindung aus klarer Struktur und dauerhaft relevanten Entscheidungen. Noch mal so gut! ist schnell erfasst, erzeugt kaum Leerlauf und bietet dennoch mehr als das bloße Abhaken vorgegebener Felder. Jede Markierung verändert die Möglichkeiten auf dem Blatt. Das sorgt für Spannung bis zur Wertung, weil auch scheinbar kleine Entscheidungen später sichtbar werden können.

Auf der anderen Seite darf der Zufall nicht unterschätzt werden. Schlechte Vorgaben können Planung zunichtemachen, und die indirekte Interaktion wird keine Runde überzeugen, die lebhafte Konfrontation sucht. Auch der vertraute Roll-and-Write-Kern sorgt dafür, dass das Spiel keine völlig neue Richtung einschlägt. Seine Qualität liegt in der konzentrierten Ausführung, nicht in einer spektakulären Neuerfindung des Genres. Weitere Spiele dieser Art finden sich in der Rezensionsübersicht.

Das Urteil ist klar: Noch mal so gut! ist ein gelungenes, zugängliches Knobelspiel mit echten Planungsentscheidungen und einem passenden Maß an Würfelglück. Für Familien, Gelegenheitsspielende und Runden, die konzentriert nebeneinander tüfteln möchten, ist es eine klare Empfehlung. Wer vollständige Kontrolle oder direkte Konflikte verlangt, sollte zu einem anderen Spiel greifen.

Häufige Fragen

Von welchem Verlag stammt Noch mal so gut!?

Noch mal so gut! erscheint bei Schmidt Spiele. Schmidt Spiele ist der deutsche Verlag des Spiels.

Ab welchem Alter ist Noch mal so gut! geeignet?

Noch mal so gut! ist ab 8 Jahren angegeben. Die Altersangabe bezieht sich auf das Spiel von Schmidt Spiele.

Aus welchem Jahr stammt Noch mal so gut!?

Noch mal so gut! stammt aus dem Jahr 2019. Es ist ein Nachfolger von Noch mal!.

Ist Noch mal so gut! mit Noch mal! verbunden?

Noch mal so gut! ist der Nachfolger von Noch mal!. Noch mal! wird als Roll-and-Write-Spiel bezeichnet.

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