Ein Plättchen aus der umlaufenden Auslage wirkt zunächst wie eine kleine Wahl, bestimmt bei Heaven & Ale aber häufig den ganzen weiteren Aufbau. Soll ein Feld die eigene Klosteranlage ergänzen, eine Produktion vorbereiten oder einen günstigen Zugriff sichern? Gerade diese Abwägung prägt das Spiel von Michael Kiesling und Andreas Schmidt, das bei der Spiel-des-Jahres-Verleihung 2018 als Nominierter zum Kennerspiel des Jahres im Mittelpunkt stand.
Klosterbau unter engem Zugzwang
Heaven & Ale erschien 2017 bei eggertspiele und richtet sich an zwei bis vier Personen ab 12 Jahren. Die angegebene Dauer von 60 bis 90 Minuten passt zu einem Spiel, dessen Regeln überschaubar beginnen, dessen Entscheidungen aber zunehmend Folgen nach sich ziehen. Aus der Auslage werden Plättchen gewählt und in die eigene Anlage eingefügt. Dort entstehen Verbindungen zwischen Gebäuden, Ressourcenfeldern und der Bierproduktion. Die räumliche Planung ist keine Nebensache: Ein passender Platz kann späteren Ertrag ermöglichen, ein unpassender Platz wertvolle Optionen einschränken.
Der Zug bleibt spürbar.
Das Spiel setzt auf knappe Gelegenheiten statt auf spektakuläre Einzelaktionen. Wer früh ein bestimmtes Plättchen nimmt, verzichtet auf andere Bausteine und verändert zugleich die Möglichkeiten der folgenden Züge. Dadurch entsteht ein Aufbaupuzzle, das Planung belohnt, ohne jede Lage vollständig berechenbar zu machen. Die Auslage sorgt für wechselnde Prioritäten, während der eigene Plan immer wieder mit den aktuellen Angeboten abgeglichen werden muss.
Eine Kennerspiel-Nominierung mit Profil
Die Nominierung zum Kennerspiel des Jahres 2018 ordnet Heaven & Ale in den Bereich gehobener Familienspiele und zugänglicher Strategiespiele ein. Das Thema der klösterlichen Braukunst trägt die Mechanismen, ohne sich in erzählerischen Details zu verlieren. Im Vordergrund stehen Optimierung, Timing und das Ausbalancieren mehrerer Möglichkeiten. Damit unterscheidet sich Heaven & Ale von Spielen, die ihren Reiz vor allem aus direkter Konfrontation oder überraschenden Kartenkombinationen beziehen.
Rund um die Spiel-des-Jahres-Verleihung standen verschiedene Spielansätze nebeneinander. Ein weiteres Gespräch aus diesem Umfeld findet sich hier. Für die Orientierung im Veranstaltungsumfeld bietet die Übersicht zu Messen und Conventions zusätzliche Beiträge.
Präzise Planung statt großer Gesten
Heaven & Ale verlangt keine komplizierte Regelakrobatik, aber Aufmerksamkeit für Details. Besonders reizvoll ist der Nebenaspekt, dass eine scheinbar harmlose Plättchenwahl zugleich den eigenen Bauplan und die gemeinsame Auslage verändert. Empfehlenswert ist Heaven & Ale für Gruppen, die in 60 bis 90 Minuten ein konzentriertes Aufbauspiel mit klaren Entscheidungen suchen.