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Messen & Conventions

Luxor bei der Spiel-des-Jahres-Verleihung 2018

von Maximilian Bähr 3 Min. Lesezeit

Eine Bewegungskarte legt fest, wie weit eine eigene Figur durch den Tempel ziehen darf. Diese einfache Entscheidung bestimmt bei Luxor weit mehr als den nächsten Zug: Sie regelt den Zugang zu Fundorten, das Tempo im Wettlauf und die Frage, ob ein erreichbarer Schatz sofort gesichert oder für einen günstigeren Zeitpunkt aufgehoben wird.

Bei der Spiel-des-Jahres-Verleihung 2018 gehörte Luxor von Queen Games zur Nominierungsliste. Der Entwurf von Rüdiger Dorn trat dabei gegen Azul an, das schließlich Spiel des Jahres wurde. Für Queen Games bedeutete die Nominierung dennoch eine prominente Präsenz an einem Abend, an dem die ausgewählten Titel und ihre unterschiedlichen Zugänge zum Brettspiel besonders sichtbar wurden. Weitere Eindrücke rund um die Veranstaltung finden sich in der Messen- und Conventions-Rubrik.

Der Tempel verlangt das richtige Timing

Luxor setzt auf ein klar erkennbares Thema und auf Regeln, die ihre Spannung aus der Bewegung beziehen. Figuren ziehen einen Weg entlang, sammeln unterwegs Schätze und versuchen, rechtzeitig weiter vorzudringen. Der Spielplan gibt die Richtung vor, doch die Kartenhand schafft die eigentliche Reibung: Nicht jede gewünschte Bewegung steht in jeder Situation zur Verfügung. Daraus entsteht eine Folge kleiner Abwägungen, die leicht zugänglich bleibt und dennoch Planung belohnt.

Der besondere Kniff liegt in der Verbindung aus Wettlauf und Sammelaufgaben. Wer ausschließlich voranstürmt, lässt Gelegenheiten zurück. Wer zu lange auf Ertrag spielt, riskiert wiederum, dass andere Figuren den entscheidenden Abschnitt zuerst erreichen. Luxor benötigt dafür keine verschachtelte Regellast, weil die Spannung unmittelbar aus den verfügbaren Bewegungsoptionen und aus der Konkurrenz auf dem Spielplan entsteht.

Die ägyptische Schatzsuche ist dabei mehr als bloße Dekoration. Der Weg durch den Tempel liefert dem Spiel eine verständliche Dramaturgie: Anfangs stehen Möglichkeiten offen, später verdichten sich die Entscheidungen, und jede Bewegung verändert die Lage für alle Beteiligten. Diese Entwicklung macht den Reiz aus.

Queen Games und Rüdiger Dorn im Jahrgang 2018

Queen Games brachte mit Luxor einen Titel in die Spiel-des-Jahres-Auswahl, der klassische Brettspielmotive bewusst bündelt. Bewegung über einen gemeinsamen Plan, Sammeln von Schätzen und ein Rennen zum Ziel sind vertraute Bausteine. Ihre Kombination sorgt jedoch dafür, dass der eigene Zug stets auch als Reaktion auf die Positionen der anderen gelesen werden muss. Luxor ist damit kein reines Glücksrennen, sondern ein Spiel über Reihenfolgen und verfügbare Wege.

Rüdiger Dorn stand als Autor für den nominierten Titel im Mittelpunkt des Jahrgangs. Nach der Verkündung verließ er die Verleihung direkt. Ulrich Fonrobert, einer der Redakteure von Luxor, gab bei der Veranstaltung Auskunft zum Spiel. Diese Rollenverteilung verweist auf zwei Seiten der Veröffentlichung: Der Autor entwickelt die spielerische Anlage, die Redaktion begleitet den Weg zur fertigen Ausgabe.

Der Jahrgang 2018 zeigte mit Azul und Luxor zugleich zwei sehr unterschiedliche Formen zugänglicher Brettspiele. Azul richtet seinen Blick auf Muster, Auswahl und das geschickte Platzieren von Steinen. Luxor arbeitet dagegen mit Bewegung, räumlicher Nähe und einem thematischen Wettlauf. Beide Titel machen Entscheidungen sichtbar, doch Luxor gewinnt seinen Charakter vor allem aus der Frage, welche Figur zu welchem Zeitpunkt durch den Tempel geführt wird.

Als Nebenaspekt bleibt die Gestaltung des Spielplans wichtig. Ein klar geführter Weg ist bei einem Wettlauf keine Nebensache, weil Positionen, mögliche Ziele und der Abstand zur Konkurrenz rasch lesbar sein müssen. Luxor setzt genau an diesem Punkt an: Der Fortschritt der Figuren bleibt greifbar, während die Bewegungskarten immer wieder zu neuen Prioritäten zwingen.

Wer einen zugänglichen Wettlauf mit spürbaren Abwägungen sucht, sollte bei Luxor besonders auf das Timing der Bewegungskarten achten.

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