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Spielvorstellungen

Flyin' Goblin: Goblins auf Beutejagd

von Maximilian Bähr 4 Min. Lesezeit

Ein Goblin prallt an einer Schlosskante ab, kippt in die falsche Richtung und landet dort, wo er weder Beute noch eine günstige Position erreicht. Genau solche Flugbahnen bestimmen Flyin' Goblin: Jede Schnippbewegung verlangt Augenmaß, eine passende Stärke und den Mut, zwischen einer sicheren Landung und einem riskanten Angriff auf höher gelegene Bereiche zu wählen.

Das Schloss wird zur Zielscheibe

Flyin' Goblin ist ein Geschicklichkeitsspiel für 2 bis 4 Personen, das 2020 bei iello erschien. Im Mittelpunkt steht ein räumlich aufgebautes Schloss, auf das die Goblins aus der jeweiligen Abschussposition geschnippt werden. Die Figuren müssen nicht einfach nur irgendwo auf dem Spielaufbau landen. Entscheidend sind die Bereiche, die sie erreichen, die Plätze, die sie besetzen, und die Beute, die sich daraus ergibt.

Die Schlosskulisse gibt dem Spiel einen sehr unmittelbaren Charakter. Statt auf einem flachen Plan über Felder zu ziehen, wird die Entfernung mit den Fingern eingeschätzt. Kanten, Mauern und Öffnungen beeinflussen den Flug. Ein kurzer Impuls kann vor dem Ziel versanden, ein zu harter Schuss lässt die Figur über das gewünschte Stockwerk hinausschießen. Der Kern ist rasch erfasst.

Flyin' Goblin verbindet diesen physischen Wettbewerb mit einer klaren Jagd nach Edelsteinen. Gute Landungen können wertvolle Bereiche erschließen, während Fehlwürfe den Mitspielenden Raum lassen. Dadurch entsteht kein reines Präzisionsspiel, in dem jeder Zug für sich steht. Die Goblins teilen sich ein Schloss und geraten sich dort zwangsläufig in die Quere.

Schnippen, landen, Beute sichern

Der Ablauf knüpft die Schnippbewegung unmittelbar an die Wertung. Die Goblins werden auf das Schloss geschleudert und bleiben, sofern sie erfolgreich landen, als sichtbare Anspruchsmarker im Aufbau. Ihre Lage ist damit doppelt relevant: Sie zeigt, wer in einer Zone präsent ist, und sie beeinflusst, welche Beute später erreichbar wird. Wer lediglich den einfachsten Platz ansteuert, vermeidet manches Risiko, verzichtet aber häufig auf besonders attraktive Chancen.

Der Reiz liegt im Wechsel zwischen Technik und Entscheidung. Eine gute Handbewegung reicht nicht automatisch aus, denn vor jedem Schuss steht die Frage nach dem Ziel. Soll eine bereits günstige Position abgesichert werden? Soll ein gegnerischer Goblin gestört werden? Oder lohnt sich der Versuch, über eine schwierige Flugbahn an einen besser bewerteten Bereich zu gelangen? Gerade weil die Figuren auf dem Schloss liegen bleiben, verändert jeder gelungene Schuss die Ausgangslage für die folgenden Würfe.

Die Drachenfigur ergänzt das Treiben als auffälliges Spielelement und macht deutlich, dass der Überfall auf das Schloss nicht völlig folgenlos bleibt. Flyin' Goblin setzt damit auf ein Thema, das seine Mechanik direkt sichtbar macht: Die Goblins rennen nicht abstrakt über Leisten, sie fliegen auf Mauern, sammeln Beute und bringen die Ordnung des Schlosses durcheinander.

Räumliches Material statt flacher Auslage

Im Karton liegt vor allem das Material, das diese Flugbahnen ermöglicht: die Schlosskulisse als zentraler Aufbau, Abschussvorrichtungen für die Goblins, farbige Goblinfiguren, die Drachenfigur sowie Edelsteine als Beute und Wertungsmaterial. Hinzu kommt das Regelmaterial. Der Aufbau dient dabei nicht bloß der Dekoration. Mauern und Ebenen sind Spielraum, Hindernis und Ziel zugleich.

Das ist auch ein kleiner, aber wichtiger Unterschied zu vielen Karten- oder Würfelspielen. Die Spielsituation lässt sich sofort ablesen, weil die wichtigen Informationen im Raum stehen. Ein Goblin auf einer hohen Fläche wirkt gefährlicher als eine Figur am Rand, selbst bevor die Wertung betrachtet wird. Diese Lesbarkeit unterstützt den schnellen, lebhaften Charakter und macht die Schlosskulisse zum Gesprächsthema am Tisch.

Die haptische Seite verlangt allerdings eine feste Spielfläche und etwas Platz rund um das Schloss. Schnippfiguren folgen keiner perfekten Berechenbarkeit. Das ist keine Schwäche des Konzepts, sondern sein Anlass für Schadenfreude, überraschende Rettungen und jene missglückten Flugmanöver, über die eine Partie noch lange spricht.

Wo Flyin' Goblin zwischen den Geschicklichkeitsspielen steht

Verglichen mit klassischen Schnippspielen setzt Flyin' Goblin stärker auf eine gemeinsame, vertikale Zielkulisse. Bei flachen Zielscheiben genügt es oft, Distanz und Richtung zu kontrollieren. Hier kommen Höhenunterschiede, Aufprallwinkel und bereits platzierte Figuren hinzu. Das erzeugt mehr Chaos, aber auch mehr taktische Überlegungen, weil die Wahl des Ziels ebenso wichtig wird wie die Ausführung.

Gegenüber Tischsportduellen steht weniger der direkte Zweikampf im Vordergrund als die Konkurrenz um Raum und Beute. Gegenüber Bau- und Balancierspielen geht es nicht darum, ein immer fragileres Gebilde zu erhalten. Flyin' Goblin lebt vom Angriff auf einen stabilen Aufbau. Die Konstruktion soll nicht geschützt, sondern überwunden werden. Wer weitere Titel dieser Art sucht, findet in den Spielvorstellungen passende Anhaltspunkte für unterschiedliche mechanische Schwerpunkte.

Das Spiel empfiehlt sich für Gruppen, die ein räumliches, direktes Geschicklichkeitsspiel mit sichtbarer Schlosskulisse, kurzen aktiven Zügen und einer klaren Beutejagd suchen.

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