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SPIEL 2017

Black Stories Investigation: Kriminalfall mit Logik lösen

von Maximilian Bähr 4 Min. Lesezeit

Die Tatwaffe scheint festzustehen, doch ein Hinweis widerspricht der vermuteten Tatzeit. Genau an diesem Punkt setzt Black Stories Investigation an: Jede neue Information verändert das Bild des Falls und zwingt dazu, frühere Annahmen zu prüfen. Gesucht werden drei konkrete Angaben, Tatort, Tatzeit und Tatwaffe. Wer diese Kombination korrekt herleitet, löst den Kriminalfall.

Das Spiel von Liesbeth Bos erscheint bei moses Verlag und richtet sich an 2 bis 4 Personen ab 12 Jahren. Eine Partie ist mit 30 Minuten angesetzt. Damit zielt Black Stories Investigation auf eine überschaubare Ermittlungsrunde, deren Spannung nicht aus langen Erzählpassagen entsteht, sondern aus der Frage, welche Schlussfolgerung sich aus den vorliegenden Informationen tatsächlich ziehen lässt.

Der Fall wird über Ausschlüsse greifbar

Im Kern ist Black Stories Investigation ein Deduktionsspiel. Die Lösung liegt nicht in einer besonders originellen Geschichte versteckt, die erraten werden soll, sondern in der logischen Verbindung einzelner Hinweise. Informationen können Möglichkeiten bestätigen, ausschließen oder in eine neue Richtung lenken. Entscheidend ist, die Angaben nicht isoliert zu betrachten. Ein Hinweis zur Zeit kann beispielsweise Auswirkungen darauf haben, welche Waffe noch infrage kommt, während eine Erkenntnis zum Tatort andere Kombinationen unmöglich macht.

Diese Struktur verlangt Konzentration. Schnell ausgesprochene Vermutungen helfen nur, sofern sie anschließend an den bekannten Fakten gemessen werden. Der Fall lässt sich daher als kleines logisches Netz lesen: Jede gesicherte Aussage verengt den Raum möglicher Lösungen. Der Reiz liegt in jenem Moment, in dem mehrere zunächst lose Informationen plötzlich eine eindeutige Kombination ergeben.

Der Fall duldet keine Abkürzung.

Anders als bei freien Krimi-Rollenspielen stehen keine ausformulierten Figurenauftritte oder improvisierten Verhöre im Mittelpunkt. Black Stories Investigation konzentriert die Ermittlungsarbeit auf Schlussfolgern, Vergleichen und Ausschließen. Dadurch bleibt das Spiel zugänglich, verlangt aber eine saubere gedankliche Ordnung. Wer Hinweise nur überfliegt, übersieht leicht, dass eine scheinbar passende Lösung an einem kleinen Detail scheitert.

Ermittlungsstoff im Karton

Der Karton bündelt das Material rund um die drei gesuchten Fallmerkmale. Tatort, Tatzeit und Tatwaffe bilden den Rahmen der Ermittlung, während die Hinweise den Weg zur richtigen Zuordnung eröffnen. Damit folgt das Material einer klaren Funktion: Es liefert keine Kulisse um der Kulisse willen, sondern stellt Informationen bereit, aus denen sich der Fall Schritt für Schritt rekonstruieren lässt.

Für ein solches Deduktionsspiel ist diese Konzentration sinnvoll. Notizen können helfen, bereits ausgeschlossene Möglichkeiten festzuhalten und Verbindungen zwischen den Hinweisen sichtbar zu machen. Besonders bei mehreren Beteiligten verhindert eine nachvollziehbare Ordnung, dass Vermutungen mit gesicherten Erkenntnissen verwechselt werden. Zugleich entsteht eine kleine soziale Dynamik: Eine Person erkennt oft eine Konsequenz, die anderen bisher entgangen ist, während eine zweite Person auf einen Widerspruch in der bisherigen Theorie hinweist.

Der Nebenaspekt ist dabei bemerkenswert: Deduktionsspiele fördern eine Form des gemeinsamen Lesens. Nicht der lauteste Einfall zählt, sondern die Fähigkeit, Formulierungen genau zu beachten und aus ihnen belastbare Schlüsse zu ziehen. Das erinnert eher an ein Logikrätsel als an eine dramatische Fernseh-Ermittlung.

Zwischen Cluedo und rätselhafter Krimigeschichte

Der naheliegendste Vergleich ist Cluedo. Auch dort führt die Lösung über die Kombination zentraler Fallinformationen und über Ausschlussverfahren. Black Stories Investigation setzt den Schwerpunkt jedoch auf den einzelnen Kriminalfall mit seinen Hinweisen zu Ort, Zeitpunkt und Tatwerkzeug. Die Ermittlungsfrage bleibt damit klar umrissen. Statt sich in einer umfangreichen räumlichen Bewegung zu verlieren, rückt die logische Auswertung der Informationen nach vorn.

Mit narrativen Ermittlungsspielen wie Sherlock Holmes Criminal Cabinet teilt das Spiel das Krimi-Thema, verfolgt aber einen anderen Rhythmus. Dort stehen Texte, Spuren und weit verzweigte Ermittlungswege im Vordergrund. Black Stories Investigation ist stärker verdichtet. Die kurze Spieldauer begünstigt eine direkte Fallanalyse, bei der jede Information als Baustein einer Lösung betrachtet wird.

Auch gegenüber modernen Wimmelbild-Krimis wie MicroMacro: Crime City zeigt sich ein deutlicher Unterschied. MicroMacro lässt auf einem großen Stadtplan nach visuellen Details suchen. Black Stories Investigation arbeitet mit dem gedanklichen Abgleich von Aussagen und Möglichkeiten. Die Spannung entsteht also weniger aus dem Entdecken eines Bilddetails als aus der präzisen Folgerung.

Wer weitere kompakte Spielporträts sucht, findet sie in den Spielvorstellungen. Für den Blick auf Neuheiten und Eindrücke aus dem Messeumfeld bietet sich außerdem die Rubrik zur SPIEL 2017 an.

Eine klare Aufgabe für konzentrierte Runden

Black Stories Investigation passt zu Gruppen, die Kriminalfälle lieber logisch zerlegen als ausschmücken möchten. Die Altersangabe ab 12 Jahren ist angesichts der geforderten Kombinationsgabe plausibel, während die Besetzung mit 2 bis 4 Personen Raum für gemeinsames Abwägen bietet. Besonders geeignet ist das Spiel als kompakte Denksport-Runde, bei der Tatort, Tatzeit und Tatwaffe am Ende sauber zusammenpassen müssen.

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