SPIELELEITERBRETT- UND KARTENSPIELE
SPIEL 2017

Calimala: Aktionsauswahl und Mehrheiten

von Maximilian Bähr 4 Min. Lesezeit

Eine Aktion kann Rohstoffe in eine Stadt bringen, einen Bau unterstützen oder eine spätere Wertung vorbereiten. Genau darin liegt der Reiz von Calimala: Die Wahl wirkt nie bloß für den aktuellen Zug, denn sie verändert zugleich die Ausgangslage für jene Mehrheiten, die im weiteren Verlauf Punkte bringen. Wer Ressourcen zu früh verteilt, kann an anderer Stelle Präsenz verlieren. Wer zu lange zögert, überlässt wichtige Bereiche den Mitspielern.

Calimala stammt von Fabio Lopiano und erscheint bei ADC Blackfire. Das Spiel ist für 3 bis 5 Personen ausgelegt, richtet sich an Menschen ab 10 Jahren und nimmt 45 bis 75 Minuten in Anspruch. Im Zentrum steht eine wirtschaftliche Aufgabe mit klarer Konkurrenz: Rohstoffe sollen in Städte gelangen, Gebäude benötigen Unterstützung, und in den jeweils gewerteten Bereichen zählt, wer dort die stärkste Beteiligung aufgebaut hat.

Calimala verknüpft Aktionen mit späteren Ansprüchen

Der Kernmechanismus ist die Aktionsauswahl. Sie bestimmt, welche Möglichkeiten gerade offenstehen und welche Entwicklung damit angestoßen wird. Calimala verlangt damit mehr als das bloße Erkennen einer attraktiven Einzelaktion. Entscheidend ist, ob der gewählte Schritt zur eigenen Verteilung der Rohstoffe passt, ob er gegnerische Mehrheiten gefährdet und ob er vor einer kommenden Wertung noch genügend Wirkung entfalten kann.

Mehrheiten zählen. Allerdings geht es nicht um eine einzige große Fläche, auf der dauerhaft dieselbe Person führt. Städte und Gebäude eröffnen mehrere Schauplätze, deren Bedeutung durch variable Wertungen wechselt. Dadurch bleibt die Lage beweglich: Eine Führung in einem Bereich kann sehr wertvoll sein, während eine andere Sammlung von Rohstoffen erst dann ins Gewicht fällt, wenn genau dieser Bereich bewertet wird. Der Blick richtet sich daher immer auf mehrere Ziele zugleich.

Diese Struktur schafft eine angenehme Spannung zwischen Aufbau und Reaktion. Wer Rohstoffe liefert, stärkt einen Bereich sichtbar. Wer beim Bau hilft, bereitet eine andere Wertungsmöglichkeit vor. Jede Entscheidung hat damit einen doppelten Charakter, sie verbessert die eigene Position und markiert zugleich, wo die Konkurrenz noch eingreifen kann. Das unterscheidet Calimala von Spielen, in denen Ressourcen ausschließlich für persönliche Ausbauten gesammelt werden.

Rohstoffe, Städte und Gebäude als sichtbare Aufgaben

Der Karton ist auf diese miteinander verzahnten Aufgaben zugeschnitten. Das Spielmaterial bildet Rohstoffe, Städte, Gebäude, Aktionsmöglichkeiten und Wertungen ab, damit die Verteilung auf dem Tisch nachvollziehbar bleibt. Gerade weil sich Punkte aus Mehrheiten ergeben, muss erkennbar sein, in welchen Bereichen Beteiligungen liegen und welche Konkurrenz sich dort entwickelt. Der Materialeinsatz dient somit weniger einer ausufernden Simulation als einer klar lesbaren Wettbewerbslage.

Eine kleine Besonderheit liegt im Blick auf Gebäude. Sie sind keine bloße Dekoration neben den Lieferaufgaben, sondern erweitern den Wettstreit um die günstigsten Positionen. Dadurch entsteht eine wirtschaftliche Erzählung ohne langen Regelballast: Rohstoffe werden dorthin bewegt, wo sie später zählen könnten, während Bauvorhaben weitere Anknüpfungspunkte für Wertungen schaffen. Das Thema trägt die Mechanik vor allem über diese Verbindung von Lieferung, Unterstützung und Einfluss.

Die variable Wertung verhindert, dass ein einziger Plan von Beginn an bis zum Ende unverändert verfolgt werden kann. Stattdessen braucht es eine Prioritätenliste. Manchmal lohnt es sich, eine knappe Mehrheit abzusichern. In anderen Momenten ist es sinnvoller, einen Bereich aufzugeben und Rohstoffe dort einzusetzen, wo eine stärkere Stellung realistischer erreichbar ist. Calimala belohnt damit genaue Beobachtung statt automatischer Abläufe.

Zwischen Worker-Placement und Mehrheiten-Spiel

Vergleiche mit klassischen Worker-Placement-Spielen liegen nahe, weil auch dort die Auswahl einer Aktion den Spielzug prägt. Calimala setzt den Schwerpunkt jedoch anders: Die Aktion ist vor allem der Auslöser für ein Netz aus Lieferungen, Bauunterstützung und künftigen Mehrheiten. Das Gefühl entspricht daher weniger einem reinen Optimierungsrätsel als einem Wettbewerb um günstige Zeitpunkte und sichtbare Positionen.

Auch zu Mehrheiten-Spielen wie El Grande gibt es eine erkennbare Nähe, allerdings verteilt Calimala den Konkurrenzdruck auf wirtschaftliche Aufgaben statt auf eine einzige territoriale Karte. Wer Mehrheiten mag, aber eine Verbindung mit Rohstofflieferungen und Bauprojekten sucht, findet hier eine passende Variante. Gegenüber sehr konfrontativen Gebietsspielen bleibt der Konflikt indirekter, weil er über die Verteilung der eigenen Beteiligung geführt wird.

Innerhalb der Spielvorstellungen von ADC Blackfire passt Calimala damit zu Spielen, die aus wenigen Grundideen mehrere miteinander verbundene Entscheidungen formen. Die Partie lebt nicht von spektakulären Einzelzügen, sondern von der Frage, welche Aktion eine spätere Wertung am besten vorbereitet und welche Mehrheiten bis dahin noch erreichbar sind.

Für planende Gruppen mit Blick auf die Konkurrenz

Die angegebene Dauer von 45 bis 75 Minuten lässt eine konzentrierte Auseinandersetzung erwarten, in der der Stand in den Städten und bei den Gebäuden regelmäßig neu bewertet werden muss. Mit 3 bis 5 Personen bleibt die Konkurrenz um Rohstoffe und Wertungsbereiche stets präsent. Besonders geeignet ist Calimala für Gruppen, die an Eurogames klare Zielkonflikte, variable Wertungen und knappe Mehrheiten schätzen.

Wer vor allem eine völlig solitäre Aufbauaufgabe sucht, dürfte die direkte Bedeutung fremder Rohstoffe und fremder Beteiligungen weniger mögen. Für Spielrunden, die Aktionen sorgfältig auf spätere Wertungen ausrichten möchten, empfiehlt sich Calimala als strategisches Mehrheiten-Spiel mit wirtschaftlichem Kern.

Mehr aus SPIEL 2017

Ganze Rubrik
Weitere Beiträge
DatumRubrikTitelVerlagSpielerDauer
SPIEL 2017 Decrypto: Verschlüsselte Hinweise unter BeobachtungDecrypto verbindet kreative Hinweise mit dem Druck, dass die gegnerische Seite mithört. Entscheidend ist, das eigene Team zu … Asmodee 3-8 15-45 Minuten
SPIEL 2017 Nusfjord: Fischfang, Anteile und knappe AktionenNusfjord verbindet Worker-Placement mit einem ungewöhnlichen Anteilssystem. Der Fischereibetrieb wächst über kluge Aktionen, Gebäude und knappe Ressourcen. Lookout Spiele 1-5 20-100 Minuten
SPIEL 2017 Roll Player: Würfel formen einen Fantasy-CharakterRoll Player macht aus der Figurenerschaffung ein taktisches Würfelspiel. Attribute, Ausrüstung und Fähigkeiten müssen zu einem stimmigen Charakter … - 1-4 60-90 Minuten
SPIEL 2017 Rajas of the Ganges: Würfel zwischen Ruhm und GeldRajas of the Ganges verknüpft Würfeleinsatz mit Provinzausbau und einem ungewöhnlichen Wettrennen auf zwei Leisten. Die Entscheidungen sind … Huch! 2-4 45-75 Minuten
SPIEL 2017 Spiel17: Ausbeute am ersten MessetagDer erste Messetag der Spiel17 steht im Zeichen gezielter Auswahl. Im Mittelpunkt steht, wie aus vielen Eindrücken eine … - - -
SPIEL 2017 Die Gefährten des Marco Polo vorgestelltDie Gefährten des Marco Polo ergänzt Auf den Spuren des Marco Polo um neue Entscheidungen am Spielplan. Im … Hans im Glück - -