Ein Geländeplättchen wird angelegt, die Krone muss zum passenden Gebiet passen, und schon steht bei Kingdomino die nächste Abwägung an. Bruno Cathalas Spiel verdichtet den Reiz des Aufbaus auf kurze, sichtbare Entscheidungen: Fläche ist wertvoll, Kronen steigern ihren Wert, doch ein scheinbar gutes Plättchen kann die eigene Auslage auch ungünstig begrenzen. Diese Klarheit machte Kingdomino zu einem zentralen Namen der Spiel-des-Jahres-Verleihung. Das Spiel gewann die Auszeichnung zum Spiel des Jahres.
Von Plättchen bis Panik im Kaufhaus
Die Gespräche mit den nominierten Autorinnen und Autoren spannten einen weiten Bogen. Neben Bruno Cathala standen Kasper Lapp mit Magic Maze und Rainer Knizia mit Wettlauf nach El Dorado für die Auswahl zum Spiel des Jahres. Magic Maze setzt auf Kooperation unter ungewöhnlichen Bedingungen: Die Beteiligten steuern Figuren gemeinsam und dürfen dabei über lange Strecken nicht sprechen. Daraus entsteht eine eigentümliche Spannung, in der Blicke, Gesten und das Erkennen dringender Aufgaben wichtiger werden als lange Planung.
Wettlauf nach El Dorado verfolgt einen anderen Weg. Das Rennen durch wechselndes Gelände verbindet die Dynamik eines Wettlaufs mit dem Aufbau eines Kartendecks. Karten müssen nicht bloß gespielt, sondern fortlaufend verbessert und auf die Route abgestimmt werden. Gerade die Gegenüberstellung von Magic Maze und Wettlauf nach El Dorado zeigt, wie unterschiedlich zugängliche Familienspiele Spannung erzeugen können, einmal durch eingeschränkte Kommunikation, einmal durch taktische Kartenauswahl und eine stets sichtbare Strecke.
Die Auswahl war breit.
EXIT und die anspruchsvollere Auswahl
Im Kennerspiel-des-Jahres-Feld standen Inka und Markus Brand sowie Ralph Querfurth mit EXIT, Das Spiel, außerdem Shem Phillips mit Räuber der Nordsee und Jacob Fryxelius mit Terraforming Mars. EXIT erhielt die Kennerspiel-des-Jahres-Auszeichnung. Die Reihe überträgt das Prinzip eines Rätselraums an den Spieltisch: Hinweise werden kombiniert, Codes entschlüsselt und Materialien auf ungewohnte Weise genutzt. Der Reiz liegt in den überraschenden Verbindungen zwischen einzelnen Informationen, nicht in einem klassischen Punktesystem.
Räuber der Nordsee setzt dagegen auf Arbeitereinsatz und das gezielte Vorbereiten von Überfällen. Entscheidungen über Besatzung, Vorräte und Ziele greifen ineinander, während die eigene Zugfolge durch das Einsetzen und Wegnehmen von Figuren einen besonderen Rhythmus erhält. Terraforming Mars verlagert den Schwerpunkt auf langfristige Entwicklung: Karten eröffnen Projekte, Ressourcen ermöglichen weitere Schritte, und viele kleine Synergien formen nach und nach eine persönliche Strategie. Wer die Diskussion über anspruchsvollere Spiele weiterverfolgen möchte, findet unter Kennerspiel des Jahres eine passende Ergänzung.
Eine Nominierung als Momentaufnahme
Die Zusammenstellung macht deutlich, dass die beiden Auswahllisten keine einheitliche Spielidee bevorzugen. Kingdomino steht für elegante Reduktion, Magic Maze für unmittelbare Gruppenanspannung, Wettlauf nach El Dorado für planbare Bewegung. EXIT setzt auf Rätsel, Räuber der Nordsee auf verzahnte Aktionen, Terraforming Mars auf den langen Aufbau einer Kartenmaschine. Auch der Rahmen der Messen und Conventions bleibt für solche Begegnungen bedeutsam, weil dort Gestaltungsideen direkt auf unterschiedliche Spielerwartungen treffen. Für einen schnellen Zugang zu dieser Nominierungsrunde empfiehlt sich Kingdomino, dessen Kronenregel die Kernentscheidung sofort sichtbar macht.