Ein Arbeiter wird versetzt, damit eine Aktion ausgelöst werden kann. Diese Regelidee bestimmt Die Kolonisten von Beginn an: Statt mehrere Figuren auf Felder zu verteilen, wird mit einer einzelnen Figur gearbeitet, deren Bewegung den Zugang zu den gewünschten Möglichkeiten eröffnet. Die Entscheidung ist bindend.
Bewegung als Kern von Die Kolonisten
Die Kolonisten erschien bei Lookout Spiele als große Herbstneuheit des Messejahrgangs 2016 und war zugleich die erste Veröffentlichung von Autor Tim Puls. Inhaltlich ordnet sich das Spiel als komplexes Aufbauspiel ein. Sein Worker Movement Mechanismus verschiebt den vertrauten Blick auf Arbeiteraktionen, denn der zentrale Arbeiter wird nicht einfach eingesetzt und dort belassen, sondern bewegt. Auf diese Weise entstehen Entscheidungen über Reihenfolge, Ziel und den jeweils verfügbaren Handlungsspielraum.
Die grundlegende Anlage verlangt damit Aufmerksamkeit für Abläufe. Wer eine Aktion ansteuert, entscheidet immer auch darüber, welche Optionen danach erreichbar sind und welche Bewegung zunächst unterbleibt. Das macht den Mechanismus klar beschreibbar, aber keineswegs belanglos. Gerade bei einem komplexen Aufbauspiel kann eine solche Beschränkung den Blick auf Planung und Verknüpfungen lenken, statt eine große Zahl gleichzeitiger Arbeiterplätze in den Vordergrund zu stellen.
Für den Messekontext war diese Konstruktion auffällig. Die Spiel 2016 brachte zahlreiche Neuheiten zusammen, während Die Kolonisten bei Lookout Spiele als umfangreich angelegte Neuheit platziert wurde. Eine weitere Einordnung des Jahrgangs bietet die Übersicht zur Spiel 2016.
Lookout Spiele und der Aufbauspielrahmen
Lookout Spiele steht bei Die Kolonisten für einen Titel, dessen Anspruch bereits aus der Verbindung von Aufbau und Bewegungsmechanismus hervorgeht. Das Spiel richtet die Aufmerksamkeit nicht auf einen einzelnen Effekt, sondern auf die Konsequenzen einer fortlaufenden Entscheidungskette. Der Arbeiter fungiert dabei als Drehpunkt: Seine Position bestimmt, welche Aktion ausgelöst wird, und seine Bewegung macht aus jeder Auswahl zugleich eine Weichenstellung für den weiteren Verlauf.
Auf der Messe wurde Die Kolonisten von Ronny von Lookout Spiele vorgestellt. Diese Präsentation passte zur Rolle des Spiels als Herbstneuheit, denn bei einem komplexeren Titel sind Mechanismus und Einordnung wichtiger als ein bloßer Blick auf Material oder Thema. Die Beschreibung als Aufbauspiel benennt dabei die Richtung, während Worker Movement das besondere Regelgerüst markiert.
Als Nebenaspekt zeigt der Titel, wie stark sich ein bekanntes Prinzip über die Anzahl der eingesetzten Figuren verändern lässt. Ein einzelner Arbeiter wirkt zunächst wie eine Reduktion. Tatsächlich verlagert sich die Komplexität auf dessen Weg und auf die Frage, wann eine Option sinnvoll angesteuert wird. Vergleichbare Verlagseinordnungen finden sich auch bei Nusfjord von Lookout Spiele.
Ein Debüt mit klarer mechanischer Aussage
Für Tim Puls markierte Die Kolonisten die erste Veröffentlichung. Das verleiht dem Titel innerhalb des Messejahrgangs eine zusätzliche Perspektive: Der Autor trat nicht mit einem kleinen Nebenprojekt in Erscheinung, sondern mit einem komplexen Aufbauspiel, das seinen zentralen Mechanismus deutlich herausstellt. Die Verbindung aus Aufbau und Bewegung ist daher der sachliche Schlüssel zur Vorstellung.
Wer sich vor allem für planungsintensive Aufbauspiele interessiert, sollte bei Die Kolonisten besonders auf die Folgen jeder Arbeiterbewegung achten.