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My City: Stadtbau mit bleibenden Spuren

von Maximilian Bähr 5 Min. Lesezeit
Partie My City mit typischem Spielmaterial auf dem Tisch (mit AI erstelltes Bild)AI
Mit AI erstelltes Bild

Eine Bauform liegt aus, der Platz auf dem eigenen Stadtplan wird enger, und eine freie Fläche, die eben noch großzügig wirkte, muss nun für spätere Gebäude mitgedacht werden. Genau aus solchen Entscheidungen zieht My City seine Spannung: Die Karten geben vor, welche Form als Nächstes verbaut wird, doch wo sie landet, entscheidet jede Person selbst. Freiraum wird wertvoll.

My City erschien 2020 bei KOSMOS und stammt von Reiner Knizia. Das Stadtbau-Spiel richtet sich an erfahrene Familienspieler und verbindet ein leicht zugängliches Legespiel mit einer Legacy-Kampagne, in der die eigene Stadt über viele Partien hinweg sichtbar weiterwächst. Statt eine einzelne Partie als abgeschlossene Aufgabe zu behandeln, verknüpft das Spiel seine Runden zu einer fortlaufenden Entwicklung. Aufkleber, neue Anforderungen und zusätzliches Material sorgen dafür, dass dieselbe Grundlage immer wieder anders gelesen werden muss.

Jede Baukarte fordert eine neue Lücke

Der Kern von My City ist bewusst klar gehalten. Eine Karte zeigt die Bauform, die gelegt werden soll. Alle Beteiligten übertragen diese Vorgabe auf ihren jeweiligen Stadtplan und suchen dafür einen sinnvollen Platz. Die Frage lautet nicht, welche Form ausgewählt wird, denn diese Entscheidung nimmt die Karte ab. Entscheidend ist vielmehr die räumliche Folge: Welche Fläche bleibt erreichbar, wo entstehen ungünstige Nischen, und welche Bereiche sollten für spätere Vorgaben offen bleiben?

Dadurch entsteht ein Legespiel, das weniger auf komplizierte Sonderregeln als auf vorausschauendes Planen setzt. Die einzelnen Gebäudeformen greifen ineinander, bedecken Felder und verändern mit jedem Zug die Möglichkeiten für die folgenden Karten. Wer zu früh große zusammenhängende Bereiche zubaut, kann später an fehlenden Anschlussmöglichkeiten scheitern. Wer zu vorsichtig baut, verschenkt dagegen möglicherweise wertvollen Raum oder erfüllt Anforderungen nicht optimal. Die Baukarten schaffen für alle dieselbe Ausgangslage, die Stadtpläne entwickeln sich dennoch sehr verschieden.

Dieser gemeinsame Takt ist ein wesentlicher Reiz. My City vermeidet lange Phasen, in denen eine Person grübelt und alle anderen warten, weil jede neue Form zeitgleich eine Aufgabe auf allen Plänen auslöst. Die Entscheidungen bleiben privat, die Folgen sind am Ende sichtbar. Auf dem Tisch entstehen parallel Städte, die aus denselben Bauvorgaben hervorgehen, aber ganz unterschiedliche Verdichtung, freie Felder und Prioritäten erkennen lassen.

Die Kampagne verändert den Blick auf den Plan

Die Legacy-Kampagne umfasst 24 Partien. Zu Beginn sind die Regeln einfach, was den Einstieg erleichtert und die Aufmerksamkeit auf das Platzieren der Formen lenkt. Im Verlauf der Kampagne treten neue Anforderungen hinzu. Auch der Spielplan selbst verändert sich, weil nach abgeschlossenen Partien Sticker aus verschlossenen Umschlägen aufgeklebt werden. Die eigene Stadt ist damit kein austauschbarer Hintergrund, sondern wird zum dauerhaften Ergebnis der bisherigen Entscheidungen.

Im Karton liegen Spielpläne, Karten für die Bauvorgaben sowie acht verschlossene Umschläge. In ihnen befinden sich Sticker und weiteres Spielmaterial, das nach und nach in die Kampagne eingeführt wird. Diese Umschläge strukturieren den Fortschritt: Neue Regeln und Aufgaben erscheinen nicht als umfassende Regelwand zu Beginn, sondern werden an den jeweiligen Stand der Stadtentwicklung geknüpft. Das passt zum Thema einer Stadt, die sich über längere Zeit verändert und auf neue Bedingungen reagieren muss.

Gerade die Sticker erfüllen mehr als eine dekorative Funktion. Sie halten fest, dass die Stadt eine Geschichte hat. Ein aufgeklebtes Element ist künftig Teil der räumlichen Ausgangslage und kann spätere Entscheidungen beeinflussen. Das Legacy-Prinzip wird dadurch sehr konkret: Nicht eine abstrakte Kampagnenleiste dokumentiert Veränderungen, sondern der Plan selbst trägt sie. Die scheinbar kleine Frage, wo gebaut wird, reicht somit über die aktuelle Partie hinaus.

Ein zugänglicher Einstieg in das Legacy-Prinzip

Viele Legacy-Spiele stellen anfangs ein umfangreiches Regelgerüst vor oder verlagern ihre Wirkung stark auf eine Geschichte mit zahlreichen Texten und Verzweigungen. My City wählt einen anderen Zugang. Seine Grundlage bleibt ein geometrisches Stadtbau-Spiel, dessen Regeln zunächst schnell erfasst sind. Die langfristige Entwicklung entsteht aus neuen Bedingungen, dem sich wandelnden Material und den bleibenden Eingriffen auf dem Spielplan. Das Spiel nutzt seine Kampagne also, um die vertraute Legeaufgabe schrittweise umzubauen.

Im Vergleich zu klassischen Plättchen- und Polyomino-Legespielen fällt vor allem die Verknüpfung der Partien auf. Üblicherweise beginnt dort jede Runde mit einer frischen Fläche und denselben Voraussetzungen. My City macht aus dem Plan ein Gedächtnis. Wer eine Partie beendet, arbeitet in der nächsten nicht auf neutralem Boden weiter, sondern begegnet einer Stadt, die bereits Spuren trägt. Das verleiht dem ansonsten abstrakten Platzieren von Formen einen nachvollziehbaren Entwicklungsbogen.

Gegenüber besonders konfrontativen Stadtbau-Spielen liegt der Schwerpunkt weniger auf direkten Eingriffen gegen andere Städte als auf der eigenen Planung unter denselben Vorgaben. Der Wettbewerb entsteht aus der Qualität der einzelnen Bauentscheidungen und aus der Fähigkeit, neue Anforderungen in eine bereits gewachsene Struktur einzupassen. Für Spielerinnen und Spieler, die räumliche Optimierung schätzen, ist das ein klarer Vorteil. Wer vor allem Handel, Mehrheiten oder dauernde Blockaden sucht, findet hier einen anderen Schwerpunkt.

Stadtplanung mit kleinen bleibenden Entscheidungen

Eine angenehme Nebenwirkung des Themas liegt in der Lesbarkeit der Entscheidungen. Selbst wenn die Bauformen abstrakt bleiben, wirkt es plausibel, dass eine dicht bebaute Stadt später weniger Ausweichmöglichkeiten bietet. Der Stadtplan erzählt keine realistische Simulationsgeschichte, doch er vermittelt gut, warum Platzreserven, zusammenhängende Flächen und früh gesetzte Grenzen wichtig sind. Das Thema trägt die Mechanik, ohne sie mit Verwaltungslast zu überziehen.

My City eignet sich besonders für Gruppen, die eine Kampagne mit überschaubarem Regelerwerb beginnen möchten und den Reiz darin sehen, über mehrere Treffen hinweg ein sichtbares Ergebnis zu schaffen. Die Partien liefern klar umrissene Legeentscheidungen, während die Umschläge für neue Impulse sorgen. Weitere Titel aus diesem Umfeld finden sich bei den Spielvorstellungen.

Die Stärke von My City liegt in der Verbindung aus unmittelbarer Bauaufgabe und dauerhafter Veränderung. Empfehlenswert ist es für erfahrene Familienspieler, die aus denselben Bauformen über viele Partien eine eigene, mit Stickern gewachsene Stadt entstehen lassen möchten.

Häufige Fragen

Für wie viele Personen ist My City geeignet?

My City ist für 2 bis 4 Spieler ausgelegt. Das Spiel richtet sich an erfahrene Familienspieler.

Wie viele Partien umfasst die Kampagne von My City?

Die Legacy-Kampagne von My City umfasst 24 Partien. Über diesen Verlauf kommen neue Regeln, Anforderungen und Spielmaterialien hinzu.

Was verändert sich während der My-City-Kampagne?

Nach Partien werden Sticker aus den verschlossenen Umschlägen auf den Spielplan geklebt. Dadurch entwickelt sich der Plan weiter, und spätere Partien erhalten neue Voraussetzungen.

Wer hat My City entwickelt und wann erschien es?

My City stammt von Reiner Knizia. Das Spiel erschien 2020 bei KOSMOS.

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