Bei Pakal wird ein Ausschnitt auf dem Spielplan so verschoben, dass die geforderten Symbole sichtbar werden. Diese simple Entscheidung erzeugt Zeitdruck und passt damit zu einem Messejahrgang, in dem schnelle Zugänglichkeit neben umfangreichen Strategiespielen stand. Die Spielwarenmesse 2020 versammelte Neuheiten für sehr unterschiedliche Spielgewohnheiten, vom kompakten Kartenspiel bis zur ausladenden Kampagne.
Im Umfeld von Messen und Conventions ist die Spielwarenmesse vor allem ein Ort der Vorschau: Schachteln, Titel und Themen zeigen früh, welche Richtungen Verlage im kommenden Programm setzen. Der Jahrgang 2020 bot dabei auffällig viele Krimi-, Abenteuer- und Fantasynamen, während zugleich klassische Optimierungs- und Konfliktspiele präsent waren.
Golem, Maharaja und der Anspruch der Planung
Golem und Maharaja stehen für den strategischen Pol des Aufgebots. Bei Golem verbindet ein anspruchsvolles Wirtschaftsspiel Ressourcenverwaltung und langfristige Planung mit der namensgebenden Figur aus der jüdischen Überlieferung. Der Titel setzt auf mehrere miteinander verzahnte Entscheidungen. Wer Fortschritt an einer Stelle sucht, muss die Folgen für Material, Entwicklung und Wertung an anderer Stelle mitdenken. Das ist die Stärke solcher Eurogames: Ein einzelner Zug wirkt selten spektakulär, kann aber eine ganze Abfolge vorbereiten.
Maharaja verweist ebenfalls auf planungsintensive Partien und fügt sich als großformatiger Strategietitel in diese Reihe ein. Die beiden Namen signalisierten, dass Cranio Creations auf der Messe nicht allein auf leichte Familienspiele setzte. Auch Mekhane, Meow, City of the Great Machine und Deep State: New World Order erweiterten das Feld um markante Themen und einen deutlich erwachseneren Auftritt.
Schon die Titelgestaltung verrät viel über einen Messegang. Ein Name wie Deep State: New World Order setzt auf politische Spannung, City of the Great Machine auf industrielle Größe. Diese thematische Zuspitzung erleichtert die Orientierung zwischen vielen Neuheiten.
Ermittlungen, Fluchten und fantastische Konflikte
Auf der erzählerischen Seite standen Deckscape: Escape from Alcatraz, Decktective: The Gaze of the Ghost und Mystery House Adventures Box: Tombstone. Sie ordnen sich bei Rätseln, Ermittlungen und Fluchtszenarien ein, also bei Formaten, die mit überschaubarem Material Spannung erzeugen wollen. Die Sherlock-Reihe war mit ¿Quién es Vincent Leblanc?, The Butler und Between Tombs vertreten. Mehrere Fälle innerhalb einer Reihe machen deutlich, wie wichtig fortlaufende Spielsysteme für Verlage geworden waren.
Fantasy und Konfrontation kamen mit Sword & Sorcery: Ancient Chronicles, War of the Ring: Kings of Middle-earth sowie Bang! The Dice Game: Undead or Alive hinzu. Sword & Sorcery steht für kooperatives Abenteuer, War of the Ring für einen großen Konflikt im Mittelerde-Rahmen. Bang! setzt dagegen auf einen deutlich direkteren, würfelbasierten Zugriff. Gerade diese Spannweite zwischen gemeinsamer Kampagne, taktischem Duell und lockerer Action prägte den Neuheitenmix.
Von Abacusspiele bis Horrible Guild
Abacusspiele, Amigo, Ares, Cranio Creations, Crowd Games, Drei Magier Spiele, dv Giochi, Edition Spielwiese, Fantasy Flight Games, Frosted Games, Funforge, Hobby World und Horrible Guild bildeten den genannten Verlagsrahmen. Dazu kamen Biber Gang, Chili Dice, S-Life, Unlimited and Beyond, Last One Alive, Masters Night und Fringers. Die Mischung aus kurzen, griffigen Namen und langen Reihenbezeichnungen zeigt zwei Vermarktungswege: sofort verständliche Gelegenheitsspiele auf der einen Seite, ausbaufähige Spielwelten auf der anderen.
Für den ersten Rundgang lohnt der direkte Vergleich von Pakal und Golem: Dort treffen ein räumliches Puzzle unter Zeitdruck und ein verzahntes Planungsspiel besonders klar aufeinander.