Blindes Huhn extrem [Abacusspiele] – Rezension

Blindes Huhn extrem

 

Verlag: ABACUSSPIELE

Autor: Michael Schacht

 

Jedes blinde Huhn findet mal ein Korn, oder in diesem Fall ein Schwein. Klingt komisch, ist aber so.

Blindes Huhn extrem ist ein Stichspiel, bei dem die Spieler versuchen sollten, so wenig Blinde Hühner wie möglich zu erhalten, denn mit ihnen macht man richtig Miese. Selbst wenn ein Spieler glaubt vermeintlich „gute Karten“ zu haben, kann noch so einiges schief gehen. Eine gute Sortierung zu Beginn des Spiels ist extrem wichtig, denn später darf nicht mehr umgesteckt werden. Zudem wird ausschließlich die linke oder rechte Karte gespielt. Und am Ende helfen einem aus der ganzen Miesere von Minuspunkten nur noch die Schweine.

Wer jetzt noch nicht verwirrt ist, wird es leider spätestens beim Lesen der Anleitung. Zwar ist diese gut strukturiert, aber mit den vielen Ausnahmen der Ausnahmen verliert der Leser schnell den Faden und muss noch einmal beginnen. Hier ist es wirklich sehr hilfreich, gleichzeitig eine erste offene Partie zu spielen. Dadurch werden die Ausnahmen doch klarer, insbesondere die Regelung zum letzten Stich. Zusätzlich enthält das Regelwerk einige Tipps zur Taktik. Diese sind äußert hilfreich für Spieler, die wenig Erfahrung mit Stichspielen haben und sich sehr unschlüssig sind, welche Sortierung zunächst am besten ist.

Mit der Sortierung steht und fällt das Spiel (für einen selbst). Sie ist entscheidend. Aber auch nicht so einfach. In den ersten Runden fällt sie vor allem unerfahrenen Spielern sehr schwer. Kommt er dann im Laufe der Zeit zu keiner für ihn selbst geeigneten Strategie, ist der Frustlevel hoch und führt dazu, sich anderen Spielen zu widmen. Doch besteht ja eigentlich genau darin der Anreiz. Jede Runde / jedes Spiel eine neue Sortiertaktik auszuprobieren, zu sehen, was der Gegner macht, sich zu überlegen, wie man die Gegner überraschen, austricksen oder überlisten kann. Wen das reizt, der kann gar nicht anders, als eine Partie nach der anderen zu spielen und sein Glück herauszufordern.

Denn im Vergleich zu anderen Stichspielen, wie Skull King, Skat oder Wizard ist der Glücksfaktor, welche Stiche ein Spieler erhält, noch größer. Nicht nur dadurch, dass die Auswahl der zu spielenden Karte lediglich bei der linken oder rechten liegt, so gibt es zusätzlich Karten mit Sonderfunktionen – die Schweine. Mit Hilfe dieser können Karten verdeckt gespielt werden, ausnahmsweise eine beliebige Karte oder sogar einen Startspieler bestimmen. Damit wird es noch unberechenbarer und zugleich herausfordernder.

Den Mechanismus, nicht frei aus allen Handkarten wählen zu dürfen, kennt der ein oder andere vielleicht schon von Bohnanza. Aber auch, wenn dieser nicht „neu erfunden“ wurde, so macht er ein Stichspiel doch deutlich interessanter. Zum einen für die Sortierung und zum anderen für das Ausspielen. Es gibt nur zwei Karten zur Auswahl. Das beschränkt nicht nur die Möglichkeiten, um auf bereits ausgespielte Karten zu reagieren oder wenn man selbst der erste Spieler ist, sondern vermeidet auch lange Wartezeiten.

Ebenfalls die Punktewertung am Ende des Spiels hebt sich von anderen Stichspielen ab. Hierbei ist nicht entscheidend, ob ein Spieler viele oder wenige Stiche bekommen hat, sondern vielmehr, welche Karten sich darin befinden. Denn blinde Hühner sowie  zuvor gesammelte Strafkarten (mehrere blinde Hühner in einem Stich) bringen Minuspunkte. Hat der Spieler jedoch gar keine Hühner in seinem Stapel, erhält er Pluspunkte. Und noch mehr davon, für gesammelte Schweine. Auch hier zahlt sich wieder eine geschickte Taktik (bereits bei der Sortierung) aus.

 

All diese tollen Elemente, die das Spiel ausmachen, kommen am besten bei einer Besetzung von vier bis fünf Spielern zum Tragen. Zwar kann es auch zu zweit oder dritt gespielt werden (hierfür werden Karten aussortiert), jedoch verlieren die Sonderfunktionen ihren Sinn und Reiz, insbesondere Karten verdeckt zu spielen oder einen neuen Startspieler zu bestimmen. Daher gilt hier: Volles Vergnügen bei voller Besetzung!

Optisch sind die Karten auf das Minimum reduziert. Weißer Hintergrund und darauf Zahlen, Huhn oder Schwein. Hier ist es ganz Geschmackssache, ob einem bei solchen Spielen die Reduzierung auf das Wesentliche lieber ist, damit die Karten klar und eindeutig sind oder lieber eine bunte und anschauliche Grafik bevorzugt wird, die aber auch zu Verwirrungen führen kann. So zum Beispiel bei Skull King. Dort lässt sich häufig blau von schwarz nicht unterscheiden, was fatale Folgen für den Ausgang eines Stiches haben kann. Trotzdem sind die Schweine und Hühner mit ihren kleinen Sonnenbrillen ganz putzig dargestellt und entlocken einem beim Betrachten ein Schmunzeln.

Blindes Huhn extrem ist ein Spiel mit zwei Extremen. Hier spielt Taktik gegen Glück. Dieses Stichspiel bringt relativ einfache Regeln, mit einer tollen Mechanik. Und mit etwas Glück, wurde die richtige Sortiertaktik gewählt.

 

Vielen Dank an Abacusspiele für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

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